Inhalt |
| Ballade |
| Dramatische Erzählgedicht |
| Merkmale |
| 1.Balladeninhalt |
| 2. Schauplatz |
| 3. Handlung |
| 4. Die Personen- gestaltung |
| 5. Erzähltechnik |
| Der Erlkönig |
| Arbeitsaufgaben |
| Literarische Erörterung
|
Als erzählende Versdichtung nimmt die Ballade eine Sonderstellung innerhalb der Lyrik ein. Sie verbindet lyrische (Reim, Vers, Strophe), epische (Erlebnisschilderung) und dramatische (Dialog) Gestaltungsmittel.
Dramatische Erzählgedichte |
Die Balladen greifen vor allem seit dem 18. Jahrhundert (französische Revolution)
zeitkritische, politische und soziale Themen auf. Sie sind eigentlich wirksam
gestaltete Protestsongs gegen soziale und politische Missstände.
Balladen sind beim ersten Durchlesen nicht immer sehr leicht zu verstehen,
weil sie den Inhalt, die konkreten Ereignisse nur sehr sprunghaft und unvollständig
wiedergeben. Man ist gefordert wie ein Kriminalist mehrere Spuren zu verfolgen,
bis man die Vorgänge verstanden hat. Ein erster Schritt im Umgang mit Balladen
ist daher das Verfassen einer Inhaltsangabe.
Merkmale der Ballade |
Beispiel - Goethes - Erlkönig |
| Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind; Er hat den Knaben wohl in dem Arm, Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm. Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht 5 Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht? Den Erlenkönig mit Kron und Schweif? - Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. - "Du liebes Kind, komm, geh mit mir! Gar schöne Spiele spiel ich mit dir; 10 Manch bunte Blumen sind an dem Strand; Meine Mutter hat manch gülden Gewand." Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht, Was Erlenkönig mir leise verspricht? - Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind; 15 In dürren Blättern säuselt der Wind. - "Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn? Meine Töchter sollen dich warten schön; Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn, Und wiegen und tanzen und singen dich ein." 20 Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort Erlkönigs Töchter am düstern Ort? - Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau; Es scheinen die alten Weiden so grau. - "Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt; 25 Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt. Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an! Erlkönig hat mir ein Leids getan! - Dem Vater grauset's, er reitet geschwind, Er hält in Armen das ächzende Kind, 30 Erreicht den Hof mit Mühe und Not; In seinen Armen das Kind war tot. |
Arbeitsaufgaben: |
1. Inhalt
| Strophe | Beteiligte Personen | Vorgänge oder Gesprächsthemen (außen) | Stimmung der Personen (innen) |
| 1 | Vater und Kind | Der Vater reitet mit seinem Sohn im Arm auf einem Pferd. | Das Kind fühlt sich sicher in den Armen seines Vaters. Der Vater ist fürsorglich um seinen Sohn bemüht. |
| 2 | Vater, Kind, Erlkönig | Das Kind beginnt zu fantasieren. Es sieht den Erlkönig. Der Vater fragt besorgt. Der Sohn gibt eine Frage zur Antwort: "Siehst Vater, du den Erlkönig nicht?" | Das Kind hat Angst. Der Vater ist besorgt. |
| 3 | Der Erlkönig | Verführung des Knaben | unheimlich, Angst, das Kind fühlt sich bedroht |
| 4 | Ergänzen Sie die Tabelle. | ||
| 5 | |||
| 6 | |||
| 7 | |||
| 8 |
2. Welche Schauplätze sind auszumachen?
Wald, Bauernhof
3. Wie ist die Handlung aufgebaut?
Siehe dazu auch Inhaltstabelle. Die Handlung ist dramatisch und gerafft,
steigert sich bis zum Schluss. Den inhaltlichen Höhepunkt bildet die Verführung
des Knaben durch den Erlkönig. Das Ende ist tragisch. Der Sohn stirbt, er
erliegt den Verführungen. Sehr viele Auslassungen lassen dem Leser freien
Raum für die eigene Fantasie. Ein Theaterstück entsteht im Kopf. Wie sieht
es aus?
4. Welche Personenkonstellationen ergeben sich?
Vater / Sohn Sohn/ Erlkönig Vater/ Erlkönig Konflikt: Vater und Sohn/ Erlkönig
5. Welche Erzähltechniken werden angewandt.
Ein allwissender Erzähler steht dezent im Hintergrund. Es wird aus der Er-
Perspektive des Vaters berichtet. Die Perspektive ist wie in einer Rahmenerzählung
nur am Anfang und am Ende des Gedichtes sichtbar. Dazwischen läuft das Drama
in Dialogform ab. Die Raffung der Geschehnisse erfolgt zwischen den Dialogen durch Auslassungen.
Die Dialogsituationen erfolgen in zeitlicher Deckung. Die erzählte Zeit in den Dialogen entspricht
der Erzählzeit.
|
|
Arbeitsschritte beim Verfassen einer literarischen Erörterung |
|
Inhalt |
|
Gesichtspunkte bei der Erschließung von Texten erzählender Prosa |
Methodische Schritte beim Verfassen einer Inhaltsangabe |
-Aufzählung (
zunächst, weiterhin, außerdem. schließlich)
-Verweisung im
Text (Pronomina: dieser, jener, das, sie, er, etc.)
-Adverbien:
genauso, dort, damals, zu diesem Zweck, usw.
-Begründung (
denn, nämlich)
-Folgerung (
daher, also)
-Gegensatz (
aber, jedoch, vielmehr)
-Einräumung (
gleichwohl, dennoch, nichtsdestoweniger)
|
Äußere und innere Vorgänge |
|
Perspektive | Äußere Handlung | Innere Vorgänge |
Erzähler | Erzähler
berichtet, was vor sich geht, was die Figuren tun, wie sie sich verhalten. | Erzähler
berichtet, was die Figuren denken, fühlen, was in ihrem Bewusstsein
vor sich geht (erlebte Rede). |
Figuren | Figuren berichten
in direkter Rede von Ereignissen, von eigenen Handlungen und Handlungen
anderer. | Figuren sprechen
ihre Gefühle, Gedanken und Überlegungen in direkter Rede aus (Innerer
Monolog) |
Gestaltung der Personen (Figuren) der Handlung |
1.Charakterisierung (Eigenschaften der Figuren):
direkt:
·Erzähler beschreibt
die Eigenschaften der Figur
·Ich – Erzähler
(selbst Figur der Handlung) gibt ein Selbstbild
·Figur beschreibt
Eigenschaften einer anderen Figur der Handlung
indirekt:
·Figur setzt den Leser durch ihr Handeln, ihr Verhalten oder ihre sprachlichen Äußerungen über ihren Charakter in Kenntnis
2.Konstellation (Beziehungen zwischen den Figuren)
Aus den Beziehungen der Figuren zu einander ergibt sich die Handlung. Häufige Konstellationen sind:
·Generationskonflikt
z.B. zwischen Vater und Sohn, Mutter und Tochter
·Gegensatz zwischen
Mann und Frau, z.B. Beziehungskrise
·Soziale Ungleichheit,
z.B. Gegensatz zwischen Arm und Reich, zwischen Erster und Dritter Welt
·Unterschiedliche Wertorientierung. z.B. Gegensatz zwischen Materialismus und Idealismus.
3.Konzeption (Ausarbeitung der Figuren)
·Typus oder Individualität?
·Wandelt sich die
Figur während der Handlung oder bleibt sie gleich?
·
Ist die Figur für den Leser vollständig erfassbar oder bleibt sie vieldeutig?
Aspekte der Zeitgestaltung in Erzähltexten
|
Erzähltempo= Verhältnis von Erzählzeit zu erzählter Zeit
1.Zeitraffung:Erzählzeit kleiner als erzählte Zeit
2.Zeitdeckung:
Erzählzeit gleich erzählter Zeit
3.Zeitdehnung:
Erzählzeit größer als erzählte
Zeit
Abfolge der erzählten Geschehnisse
1. Chronologisch
: Aufeinanderfolge der erzählten
Geschehnisse in natürlicher
Zeitfolge
2. Achronisch: Durchbrechung der natürlichen Zeitfolge durch Wechsel der Zeitebenen, Umstellung und Vorausdeutung
Anfang und Ende der Erzählung |
|
Mit dem Beginn der erzählten Geschichte, an einerentscheidenden Stelle mitten in der Geschichte, am Ende der Geschichte
(analytisch)
2. Möglichkeiten des Schlusses
:
Geschlossenes Ende (Geschichte findet ihren sinnvollen Abschluss) oder
offenes Ende (Geschichte geht weiter , ihre Fortführung bleibt dem Leser
überlassen)
Möglichkeiten der Erzählperspektive
|
|
1. Grundbegriffe:
Der Erzähler vermittelt
im Text zwischen Autor und Leser und bestimmt die Perspektive, unter
der die erzählte Wirklichkeit erscheint.
Die Erzählperspektive ergibt sich aus der Erzählrolle ,
die der Autor im Text annimmt, aus dem Standort (point of view),
von dem aus der Erzähler spricht, und der Erzählhaltung, die der
Erzähler gegenüber der erzählten Welt hat.
2. Möglichkeiten der Gestaltung der Erzählerrolle:
Auktorialer Erzähler | Personaler Erzähler | |
Erzählung
in der dritten Person (Er-, Sie-,
Es- Erzählung) | Er organisiert
die Elemente der Geschichte von einemStandort außerhalb
der erzählten Welt, kennt auch das Innere der Personen der Handlung,
(Innensicht) | Er, Sie, Es
gehört als Person (Figur) zur erzählten Welt und ist an ihr
als Handelnder oder Augenzeuge beteiligt, hat seinen/ihren Standort
innerhalb der Geschichte, verfügt nicht über Einblick in das Innere
anderer Personen (Außensicht) |
Erzählung
in der ersten Person (Ich – Erzählung) | Der Ich- Erzähler
organisiert die Elemente der Geschichte von einem Standortinnerhalb der erzähltenWelt aus, verfügt nur bei sich selber über Innensicht
, kennt die anderen Personen nur in der Außensicht. Aus zeitlicher
Distanz erzählt er/sie als erinnerndesIch über das
erinnerte (=erlebte) Ich. | Der Ich – Erzähler
ist so in die erzählte Welt verwickelt, dass er nur als erlebendesIch zu erzählen vermag, ohne zur Distanz eines erinnerten
Ichs zu finden. |
3. Zurücktreten
des Erzählers
Bei unbeteiligtem Notieren von Handlungen und Gesprächen von Personen
der Handlung (reine Wahrnehmung camera eye) sowie bei szenischer Darstellung
mit Figuren Dialog spricht man vom neutralenErzähler.
4. Beispiele für
Erzählperspektiven
Es folgen drei verschiedene Berichte über ein und dasselbe Ereignis
aus verschiedener Sicht:
Schema des Interpretationsablaufs
|
|
Vom Besonderen
zum Allgemeinen |
| Inhaltsangabe |
| Formanalyse | |
| Interpretation |
Schreibregeln für den Interpretationsaufsatz
|
Aufbau des
Interpretationsaufsatz
Einleitung
:
Kennzeichnung des zu interpretierenden Textes, Informationen zu Autor,
Werk, Epoche, usw., Inhaltsangabe (Handlungen, Personen, Schauplatz, Zeit)
Hauptteil
:
Schlussteil :
ÜberlegungeThematik = Grundgedanke
eines Erzähltextes bzw. Frage, die er aufwirft
Aussage= Antwort, welche die aufgeworfene Frage im Text erhält
Gattung= Merkmal des Textes aufgrund
literarischer Konvention
Epoche= Merkmal des Textes aufgrund der literarischen Muster eines
bestimmten Zeitalters in einer Kultur
Gesichtspunkte bei der Erschließung von Texten erzählender Prosa |
Gestaltung der
inhaltlichen Elemente:
Sprache, Stil
und Komposition:
Erzählperspektive
und Darstellungsformen:
|
|