Gedichtinterpretation

Inhalt
Einleitung
Hauptteil
Form des Gedichtes
Inhalt des Gedichtes
Beschreibung und Deutung
Schluss

Kern der Einleitung - Die Kurzvorstellung

Die Einleitung soll zunächst den zu interpretierenden Text vorstellen.
Um welche Art von Text handelt es sich? (Gedichtform: Sonett, Ballade, Liebeslyrik, konkrete Poesie...)
Wer hat den Text geschrieben?
Aus welcher Zeit stammt er? Woran merkt man das?




Der Hauptteil besteht aus einer Textbeschreibung

Schreiben Sie diese immer im Präsens. Es geht um Ihr gegenwärtiges Textverständnis.
Beschreiben Sie  Form   und  Inhalt  des Gedichtes.
Variieren Sie die Formulierungen, die sich auf das Gedicht beziehen.


Formulierungsansätze zur Textbeschreibung

Neutral, auf den Text weisen

Das Gedicht enthält...., Im Text heißt es dazu.... , Es folgt eine abweichende Strophe....Nun verrät ein Sprecher....Ein lyrisches Ich spricht von seiner Verzweiflung...

Textabsicht betonend, auf den Autor verweisen

Völlig überraschend (unerwartet) wechselt der Autor hier die Sprechweise...Dies kann von der Autorin nicht so gemeint sein, dass...

Sicht des Lesers einbeziehen

Hier gewinnt der Leser den Eindruck... Ohne direkte Nennung eines Lesers: Ein Blick auf das Gedicht  genügt)zeigt...Auffällig erscheint...

Eigenen Standard ("ich") betonen

In diesem Zusammenhang möcht ich noch einmal auf den Titel zurückkommen.... Meines Erachtens will der Autor damit aussagen (bezwecken, appellieren)....
Diese Formulierungen lenken die Aufmerksamkeit auf die eigene Person, daher nicht zu oft und im richtigen Moment verwenden, wenn man eigenen Standpunkt betonen will.

Verwechseln Sie den Autor nicht mit dem Sprecher, dem lyrischen Ich oder einer Rollenfigur.
Verwenden Sie Fachbegriffe .
Hier hören wir ein lyrisches Ich sprechen...Eine Stimme, vielleicht  die eines toten Kindes...
Bei diesem Gedicht handelt es sich um ein Sonett, das im Barock sehr beliebt war.

Zwingen Sie sich aber nicht dazu ständig Fachbegriffe zu verwenden. Das wirkt gekünstelt.
Hüten Sie sich vor Wortwiederholungen, variieren Sie die beschreibenden Verben.
Dieser Text besteht aus, enthält, beschreibt, sagt aus, differenziert...erweckt den Eindruck, beweist, weist auf, stellt dar, bringt zur Sprache, verwendet, macht deutlich, hebt hervor, deutet an, veranschaulicht, vertieft, streicht heraus,.....

Kennzeichnen Sie Unterschiede und Gegensätze auch sprachlich.
Während die Hauptsätze parallel aufgebaut sind, stellen sie vom  Inhalt gesehen Gegensätze dar.
In Strophe drei wird das Schema unterbrochen. zum einen...., zum anderen...,  dagegen....., im Gegensatz dazu...


Machen Sie Parallelen und Vergleichbares im Text auch sprachlich deutlich. Bündeln Sie ähnliche Beobachtungen.
auch, zudem, daneben, schließlich, vor allem, ganz besonders,
Dieses Bild wird in der letzten  Zeile noch verdeutlicht.


Inhalt des Gedichtes 

Zu den Inhaltselementen von Gedichten

Zu den Inhaltselementen des Gedichts

Titel

Die Überschrift des Gedichtes sollte unbedingt zur Interpretation herangezogen werden. Welche Aufgaben kann der Titel erfüllen?

  • Knappe Benennung des Themas ( 'Leben - Tod - Vergänglichkeit des Menschen)
  • oder des Motivs ('Abend')
  • oft unter Einbezug der Gattung ('Abendlied')
  • Hinweis auf den Sprecher  ('Mitteilungen eines/einer....)
  • Einstimmung in das Gedicht (Bild des Abends)
  • Hinweis auf mögliche Deutung (Rosengewitter)
  • oft in Spannung oder zum Widerspruch zum Inhalt des Gedichtes (beschaulicher Abend im Titel - am Ende Unwetter - Wetterleuchten)

Motiv

typische bedeutungsvolle Situation, - Abend, Mittag, Abschied, Trennung, Einsamkeit, Liebe - die in den Mittelpunkt gestellt wird. Gedichtvergleiche beziehen sich oft auf motivähnliche Texte.

Thema

Grund - oder Leitgedanke eines Werkes, unter dem das Motiv ausgestaltet wird.

  • häufige Zusammenfassung des Inhalts unter dem Titel
  • manchmal erst durch Analyse zu erschließen
  • oft zeigt sich auf einer zweiten Bedeutungsebene auch ein zweites, wichtiges Thema- Mensch/Natur.

Bedeutungsebenen

Wie der Name "Gedicht" schon sagt wird in dieser Textgattung Bedeutung verdichtet, mit wenigen Worten viel mehr ausgesagt, als man beim ersten Lesen annehmen könnte.
Die Deutungsaufgabe in der Gedichtinterpretation besteht gerade darin, den versteckten Sinn zu entschlüsseln. Dabei kann sich der Interpret orientieren :

  • am Titel
  • an der Doppeldeutigkeit von Sprache und Bildern (Eichendorff, Wetterleuchten der Natur- zwiespältige Stimmung des Menschen - Schauer in der Brust - Gespenster - Tod- Vergänglichkeit)
  • an der Spannung aus Inhalt und Gestaltung (Komik, Ironie)
  • an der Spannung zwischen Sprecheraussage und vermuteter Absicht des Autors (romantische Ironie bei Heinrich Heine)
  • am Kontext um den Text - autobiographische, historische, psychoanlytische...  Hintergründe

Von der Beschreibung zur Deutung 


Deutungen sollen für den Leser durch Beschreibungen belegt oder vorbereitet werden.
Beschreiben hält Sachverhalte fest.
Deuten legt sie aus, teilt ihnen eine Bedeutung zu, bewertet sie.
Der Leser kann Ihre Deutung nur nachvollziehen oder sich ein eigenes Urteil bilden, wenn ihm deutlich vor Augen geführt wird, aufgrund welcher Beobachtungen und Beschreibungen Sie zu Ihrer Deutung gekommen sind.
Beschreibung und Deutung sollten möglichst auseinander gehalten werden, damit man unterscheiden kann, was der Text enthält und was Ihre Meinung ist. Das ist nicht immer sehr einfach und manchmal nicht so ganz von einander zu trennen.
Machen Sie auch deutlich, dass bestimmte Deutungen vielleicht unsicher sind oder vorläufig.
Man könnte bei dieser Aussage auch noch an ...denken. Möglicherweise ist damit gemeint..

Belegen Sie Beschreibungen und Deutungen durch wörtliche Textzitate.
Unverzichtbar sind Textzitate bei Untersuchung der Form, bei den stilistischen Mitteln wie Wortwahl, Bildlichkeit....
Bauen Sie Zitate sinnvoll in den Text ein.

Schluss 

Während die Einleitung an den Text und die Deutung heranführen soll, führt der Schluss heraus, gewährt einen Ausblick.

Schlussteile können enthalten