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ODL Deutsch

 

Modul Grammatik 1

 

 

 

 

Inhalt

 

Die Wortarten

      Nomen, Substantiv (Hauptwort)

      Verb (Zeitwort)

      Adjektiv (Eigenschaftswort)

      Artikel

      Pronomen (Fürwort)

      Konjunktion (Bindewort)

      Präposition (Vorwort)

      Adverb (Umstandswort)

 

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Die Wortarten

 

Generell unterscheidet man bei den Wortarten zwischen flektierbaren (veränderbaren) Wortarten und nicht flektierbaren. Flektierbar ist ein Wort dann, wenn es so abgewandelt werden kann, dass dadurch verschiedene Personen oder Fälle, Zeiten oder Anzahlen ausgedrückt werden. Die meisten der wichtigsten Wortarten sind demnach flektierbar. Nicht flektierbar sind lediglich die Adverbien (deshalb, hier), Interjektionen (au!), Konjunktionen (und, weil, nachdem) und Präpositionen (in, über, nach).

 

Innerhalb der Flexion unterscheidet man die beiden Verfahrensweisen „deklinieren“ und „konjugieren“. Dekliniert, also dem jeweiligen Kasus (Fall) angepasst, werden Nomen, Artikel, Pronomen, Numerale und Adjektive. Konjugiert, also der jeweiligen Person angepasst, werden nur Verben. Mehr dazu finden Sie aber unterhalb bei der Beschreibung der jeweiligen Wortart.

 

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Nomen, Substantiv (Hauptwort)

 

Nomen sind flektierbar und deklinierbar. Mit ihnen werden Lebewesen, Dinge und Begriffe bezeichnet:

 

}         Konkrete Nomen

           Tisch

           Stuhl

           Garten

}         Abstrakte Nomen

           Arbeit

           Pause

           Freude

 

Nomen werden stets großgeschrieben.

 

Jedes Wort einer anderen Wortart ist nominalisierbar, also kann hauptwörtlich gebraucht werden. In diesem Fall schreibt man dieses Wort natürlich auch groß:

 

}         nominalisiertes Adjektiv: das Gute, das Böse

}         nominalisiertes Verb: das Lernen, das Baden

 

Oft haben Nomen einen oder mehrere Begleiter:

 

}         Artikel

           der Tisch

           eine Frau

           mein Haus

}         Adjektiv

           der schöne Baum

           die böse Schwiegermutter

           das kalte Getränk

}         Numerale

           zwei Tore

           die dritte Klasse

 

Speziell der Artikel erfüllt eine wichtige Funktion. Er kennzeichnet Genus (grammatisches Geschlecht), Numerus (Einzahl oder Mehrzahl) und Kasus (Fall) eines Nomens. Die unten stehende Tabelle gibt eine Übersicht über die Deklination deutscher Nomen, die nach Genus, Numerus und Kasus aufgegliedert ist:

 

 

Singular (Einzahl)

Plural (Mehrzahl)

 

maskulin (männlich)

feminin (weiblich)

neutrum (sächlich)

maskulin (männlich)

feminin (weiblich)

neutrum (sächlich)

1. Fall: Nominativ

der Hund

die Treppe

das Bein

die Hunde

die Treppen

die Beine

2. Fall: Genitiv

des Hundes

der Treppe

des Beines

der Hunde

der Treppen

der Beine

3. Fall: Dativ

dem Hund(e)

der Treppe

dem Bein(e)

den Hunden

den Treppen

den Beinen

4. Fall: Akkusativ

den Hund

die Treppe

das Bein

die Hunde

die Treppen

die Beine

 

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Verb (Zeitwort)

 

Verben sind flektierbar und konjugierbar. Sie beschreiben Tätigkeiten und Vorgänge:

 

}         Mein Vater schreibt an seinem Buch.

}         Die Suppe kocht auf dem Herd.

 

Bezüglich der Form unterscheidet man zwischen starken (unregelmäßigen) und schwachen (regelmäßigen) Verben. Daneben gibt es auch noch eine Mischform. Beachten Sie die Unterschiede zwischen starken und schwachen Verben in der folgenden Tabelle:

 

 

starkes Verb

schwaches Verb

Infinitiv (Nennform)

lesen

machen

3. Person Singular

er liest

er macht

Präteritum (Mitvergangenheit)

er las

er machte

Partizip II (der Vergangenheit)

gelesen

gemacht

 

Bezüglich der Verwendung unterscheidet man zwischen Voll-, Hilfs- und Modalverben:

 

}         Vollverben werden alleine gebraucht, um eine Tätigkeit oder einen Vorgang auszudrücken.

           arbeiten

           finden

           schreiben

}         Hilfsverben werden bei bestimmten grammatikalischen Konstruktionen benötigt.

           sein (Perfekt: Ich bin noch nie in Lissabon gewesen.)

           haben (Perfekt: Er hat gerade ein Schinkensandwich gegessen.)

           werden (Passiv: Das Brot wird in dünne Scheiben geschnitten.)

}         Modalverben geben zusätzlich zu einem Vollverb Informationen wie die Tätigkeit geschieht (Modus).

           sollen (Ich soll bis morgen fünfzig Seiten für die Biologieprüfung lernen.)

           mögen (bzw. möchten) (Ich möchte jetzt bitte lesen!)

           dürfen (Warum darfst du nicht mit uns in die Disco kommen?)

           müssen

           können

           wollen

 

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Adjektiv (Eigenschaftswort)

 

Adjektive sind flektierbar und deklinierbar. Sie bezeichnen einen Zustand oder eine Eigenschaft und werden kleingeschrieben.

Im Satz findet man sie als Antwort auf die Frage: „Wie ist etwas?“

 

}         groß

}         bunt

}         schön

}         friedlich

 

Adjektive können im Satz unterschiedlich verwendet werden:

 

Ein schnelles Auto ist teuer. Nur der Reichste kann es sich leisten.

 

}         Ein Adjektiv wird attributiv verwendet, wenn es direkt vor dem Nomen steht. In diesem Fall muss es in Zahl und Fall dem Nomen angepasst (dekliniert) werden: ein schnelles Auto, mit einem schnellen Auto

}         Wenn das Adjektiv nicht direkt vor dem Nomen steht sondern zu einem Verb gehört, wird es prädikativ verwendet. Egal in welchem Fall oder in welcher Zahl das Nomen steht, das Adjektiv behält immer die Grundform.

}         Wie jede Wortart kann auch das Adjektiv nominalisiert (hauptwörtlich gebraucht) werden. In diesem Fall schreibt man es groß und behandelt es wie ein Nomen.

 

Viele Adjektive kann man steigern. Die Steigerung kann regelmäßig oder unregelmäßig erfolgen:

 

 

regelmäßig

unregelmäßig

Grundstufe (Positiv)

schnell

gut

1. Steigerung (Komparativ)

schneller

besser

2. Steigerung (Superlativ)

am schnellsten

am besten

 

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Artikel

 

Es gibt verschiedenste Formen von Artikeln, die alle etwas gemeinsam haben: Sie können nie alleine stehen, sondern sind immer Begleiter eines Nomens. Daher sind auch sie flektierbar; sie müssen ja dekliniert, also an das Nomen angepasst werden.

 

}         Der Definitartikel (bestimmter Artikel) hebt aus einer Menge an Personen oder Dingen eine spezielle Person oder ein spezielles Ding heraus.

           Gib mir bitte das blaue Glas!

           Ich spreche über den Mann, den ich gestern getroffen habe.

}         Noch stärker in dieser Hinsicht ist der Demonstrativartikel (hinweisender Artikel). Hier ist die Person oder der Gegenstand für gewöhnlich sichtbar.

           Gib mir bitte dieses Glas!

           Jenen Mann habe ich gestern getroffen.

}         Der Indefinitartikel (unbestimmter Artikel) bezeichnet eine beliebige Person oder ein beliebiges Ding in einer Menge.

           Gib mir bitte ein Glas aus dem Schrank.

           Ich suche schon seit Jahren nach einem sympathischen Mann.

}         Mit dem Possessivartikel (besitzanzeigender Artikel) werden Besitzverhältnisse (tatsächliche oder übertragene) geklärt.

           Das ist mein Glas. Hol dir doch ein eigenes!

           Darf ich Ihnen meinen Mann vorstellen?

 

Zwischen Artikel und Bezugswort können beliebig viele andere Wörter, ja sogar Satzteile treten. Leicht lesbar wird ein Satz dadurch nicht gerade gemacht, also sollten Sie diese Möglichkeit behutsam anwenden.

 

Der 68-jährige, gerade vom Wirtshaus nach Hause fahrende, von allen guten Geistern verlassene und stark alkoholisierte Fahrradfahrer wurde bei einer Kreuzung von einem Auto erfasst.

 

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Pronomen (Fürwort)

 

Im Gegensatz zu Artikeln sind Pronomen nicht Begleiter, sondern Stellvertreter des Nomens. Sie stehen alleine, sind daher – wie Nomen – flektierbar und müssen gegebenenfalls dekliniert werden.

 

Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Pronomen:

 

}         Mit dem Personalpronomen werden Personen oder Dinge bezeichnet, die schon einmal benannt wurden.

           Franz ist ein guter Schifahrer. Er fährt jedes Jahr im Winter nach St. Ulrich am Pillersee.

           Mein Auto hatte wieder eine Panne. Aber jetzt funktioniert es wieder.

}         Das Demonstrativpronomen weist – ähnlich wie der Demonstrativartikel – auf bestimmte Personen oder Dinge hin.

           Mein Mathematiklehrer konnte sehr gut Textbeispiele erklären. Diese hatte er meistens auch selbst erfunden.

}         Possessivpronomen werden analog zum Possessivartikel gebraucht.

           Mein Hund kann schon ein Stöckchen apportieren. - Das ist doch gar nichts! Meiner kann schon Männchen machen!

}         Fragepronomen ersetzen das Subjekt in Fragesätzen.

           Wer war der Schuft?

           Welcher der beiden war der Dieb?

}         Indefinitpronomen werden verwendet um allgemeine Aussagen zu machen, die keine bestimmte Person betreffen.

           Man sagt, dass Peter wieder eine neue Freundin hat.

}         Relativpronomen werden in Relativsätzen benützt und vertreten dort ein im Hauptsatz genanntes Nomen.

           Der Mann, der jeden Tag gemeinsam mit mir in der Schnellbahn fährt, arbeitet im Büro nebenan.

           Die Schule, in die ich acht Jahre ging, wurde kürzlich geschlossen.

 

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Konjunktion (Bindewort)

 

Mit den unflektierbaren Konjunktionen werden Wörter, Wortgruppen oder Sätze miteinander verbunden.

 

Je nach Absicht unterscheidet man Konjunktionen, die ...

 

}         aneinander reihen (kopulativ): und, sowie, sowohl – als auch, auch, außerdem, desgleichen, ebenfalls, ferner, schließlich, zuerst, zuletzt, einerseits – andererseits, weder – noch

}         etwas ausschließen (disjunktiv): entweder – oder, oder

}         etwas einschränken (restriktiv): aber, allein, nur, sondern, jedoch, wohingegen, sofern, soweit

}         begründen (kausal): denn, weil, obwohl, da, dass, nämlich

}         Zeit angeben (temporal): während, nachdem, seitdem, bis

}         etwas verneinen (negierend): ohne dass, anstatt dass, geschweige denn, nicht – sondern

}         eine Bedingung festlegen (konditional): wenn, falls, sofern, andernfalls, sonst

}         Vergleiche anstellen (komparativ): wie, als, ob, als wenn, genauso

}         Mittel anzeigen (instrumental): damit, dadurch, indem

}         etwas einräumen (konzessiv): zwar – aber, trotzdem, obgleich, obwohl, wenngleich, wenn – aber

}         einen Zweck anzeigen (final): darum, dazu, damit, dass

}         etwas entgegenstellen (adversative): aber, sondern, vielmehr, dagegen, doch, dennoch, wogegen

}         ein Verhältnis aufzeigen (proportional): um so, desto, je – desto

}         eine Art und Weise aufzeigen (modal): indem, als ob

}         lediglich grammatische Beziehungen ausdrücken (ohne Bedeutung): dass, ob, wie

 

Handelt es sich um eine echte Konjunktion, die Haupt- und Teilsätze miteinander verbindet, so bleibt das Verb an der gewohnten zweiten Stelle:

 

Er spielt Geige und ich blase die Flöte.

Er kam durchnässt nach Hause, denn es regnete stark.

 

Die meisten der oben genannten Wörter sind allerdings Nebensatzkonjunktionen (Subjunktionen), die einen Haupt- mit einem abhängigen Nebensatz verbinden. Dies lässt sich leicht an der Endstellung des Verbs erkennen:

 

Er kam durchnässt nach Hause, weil es stark regnete.

 

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Präposition (Vorwort)

 

Auch die Präposition gehört zu den nicht flektierbaren Wortarten. Sie bezeichnet Verhältnisse zwischen Personen und Sachen und ist damit sozusagen der Kleber, der verschiedenste Wörter in einem Satz zusammen hält. Historisch haben sich die Präpositionen aus Adverbien (an, auf, aus, bei), später auch aus Nomen (dank, trotz, wegen) und Adjektiven (gleich, südlich) entwickelt.

 

Präpositionen drücken kausale (Grund), lokale (Ort), modale (Art und Weise) und temporale (Zeit) Aspekte aus. Sie bestimmen den Kasus (Fall) eines folgenden deklinierbaren Wortes. Manche Präpositionen fordern nur einen Fall („nach dir“), manche fordern je nach Verwendung den Dativ oder den Akkusativ („in den Wald“, „in dem Wald“). Manche Präpositionen können auch nach einem von ihnen im Fall bestimmten Wort stehen ("ihres schönen Mantels wegen").

 

}         lokale (örtliche) Präpositionen

ab, abseits, an, auf, aus, außer, außerhalb, bei, bis, diesseits, durch, entlang, fern, gegen, gegenüber, hinter, in, inmitten, innerhalb, jenseits, längs, nach, nächst, nahe, neben, nördlich, oberhalb, östlich, seitlich, südlich, über, um, unfern, unter, unterhalb, unweit, von, vor, westlich, zu, zunächst, zwischen

}         temporale (Zeit kennzeichnende) Präpositionen

ab, an, auf, aus, außerhalb, bei, binnen, bis, für, gegen, in innerhalb, mit, nach, seit, über, um, unter, von, vor, während, zeit, um, zwischen

}         modale (die Art und Weise kennzeichnende) Präpositionen

abzüglich, auf, aus, ausschließlich, außer, bei, bis an, bis auf, bis zu, einschließlich, entgegen, für, gegen, gegenüber, in, mit, ohne, statt, unter, von, wider, zu, zuwider, zuzüglich

}         kausale (begründende) Präpositionen

angesichts, anlässlich, auf, auf Grund, aus, bei, betreffs, bezüglich, dank, durch, für, gemäß, in Folge, kraft, laut, mangels, mit, mittels, nach, seitens, trotz, über, um, um – willen, unbeschadet, ungeachtet, unter, von, vor, wegen, zu, zufolge

 

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Adverb (Umstandswort)

 

Die unflektierbaren Adverbien bezeichnen Umstände, unter denen sich eine Handlung vollzieht.

 

Dabei unterscheidet man ...

 

}         Frage- bzw. Relativadverbien

Wo ist dein Auto? Ich weiß nicht mehr, wo ich es geparkt habe.

Womit habe ich das verdient? Womit du das verdient hast, kann ich mir nicht vorstellen.

}         Kausaladverbien (Gründe angebend)

... und deshalb bin ich heute noch immer allein stehend.

Trotzdem würde ich keinen anderen Beruf ausüben wollen.

}         Lokaladverbien (Ortsverhältnisse und Ziele angebend)

Hier ist der Ort, an dem meine Wiege stand.

Warum liegt überall Abfall verstreut?

}         Temporaladverbien (Umstände der Zeit angebend)

Nachmittags geht sie immer ins Schwimmbad.

Damals war noch alles ganz anders.

}         Modaladverbien (beantworten die Frage „wie?“)

Meine Mutter geht gern in klassische Konzerte.

Er rannte blindlings in sein Verderben.

}         Grad- und Maßangaben

Diese Suppe muss sehr lange kochen.

Er war ziemlich krank.

}         Pronominaladverbien (gebildet aus „da(r)“, „hier“ bzw. „wo(r)“ + Präposition)

Am Morgen danach gab es ein ausgedehntes Champagnerfrühstück.

Die Begabung hierzu war schon früh zu erkennen.

 

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