ODL Deutsch

Modul Rechtschreibung 1

 

 

 

 

Inhalt

 

Die s-Schreibung

Der s-Laut

scharfes "ß" nach langem Vokal

stimmhaftes s

ss nach kurzem Vokal

Nachsilbe -nis / -nisse; Vorsilbe miss-

das – dass

Zusammenfassung

Wenn Sie sich nicht sicher sind ...

 

Ç

 

 

Die s-Schreibung

 

Richtiges Hören ist Grundvoraussetzung für richtiges Schreiben. Dies haben Sie schon bei der Unterscheidung von kurzen und langen Lauten gelernt. Um die s-Schreibung perfekt zu beherrschen, sollten Sie auch zwischen stimmhaften und stimmlosen Konsonanten (Mitlauten) unterscheiden lernen. In diesem Kapitel des Lehrgangs beschäftigen wir uns nun mit den verschieden Möglichkeiten der s-Schreibung.

 

In diesem Lehrgangsmodul sind alle Neuerungen nach der Rechtschreibreform mit Rot gekennzeichnet, die Regeln mit Blau.

 

Ç

 

 

Der s-Laut

 

Im Deutschen gibt es drei Arten von s-Lauten:

}         das stimmhafte s, geschrieben als s

}         das stimmlose ß, das lange Vokale kennzeichnet

}         das stimmlose ss, das kurze Vokale kennzeichnet

 

Ç

 

 

Scharfes "ß" nach langem Vokal

 

Das  stimmlose scharfe ß steht nach langem Vokal oder Diphthong (Zwielaut) im Inneren oder am Ende eines Wortes. 

 

Beispiele

}         Maß, Straße,

}         Grieß, Spieß,

}         groß,

}         grüßen,

}         außen, außer, draußen, Strauß,

}         beißen, Fleiß, heißen

 

Ausnahme: aus

 

Bei allen abgeleiteten Formen bleibt ß erhalten.

 

Beispiele

}         Maß – mäßig

}         Gruß – grüßen, du grüßt, er grüßt

}         Spaß – spaßen, du spaßt, er spaßt

 

In manchen Wortstämmen wechselt die Länge und Kürze des Vokals vor s; entsprechend wechselt die Schreibung ß mit ss.

 

Beispiele

}         fließen, aber: es floss – Fluss – das Floß

}         genießen, aber: er genoss – Genuss

}         wissen – er wusste, aber: er weiß 

}         Maß, aber: messen; du misst, er misst

}         Fraß, aber: fressen; du frisst, er frisst

 

Steht der Buchstabe ß nicht zur Verfügung, so schreibt man ss. In der Schweiz kann man immer ss statt ß schreiben. 

 

Beispiel: Straße – Strasse

 

Bei Schreibung mit Großbuchstaben schreibt man SS, zum Beispiel: Straße – STRASSE.

 

Ç

 

 

stimmhaftes s

 

stimmhaftes s steht ...

 

}         am Wortanfang (Anlaut) als stimmhaftes s: singen, sieben, Senf

}         im Wortinneren (Inlaut) als stimmhaftes s: Rose, Hose, Riese

}         am Wortende (Auslaut) als stimmloses s, das Sie in der Verlängerung stimmhaft aussprechen: Gras – Gräser, Kreis – Kreise.

 

Achtung: Hat ein Verb ein stimmhaftes s, so bleibt es in allen Formen erhalten.

 

Beispiele: niesen – ich niese, du niest, er niest, ...

 

Ç

 

 

ss nach kurzem Vokal

 

ss steht nach kurzem Vokal im Inneren oder im Auslaut eines Wortes, nie am Wortanfang.

 

Beispiele: Wasser, Kassa, Pass, Schluss, Fluss


Bei allen
abgeleiteten Formen solcher Wörter bleibt ss erhalten, wenn davor ein kurzer Vokal oder Umlaut steht.

 

Beispiele
Kuss – küssen, du küsst, er küsst

muss – müssen, du musst, er muss

 

Wenn bei der Ableitung des Wortes der lange Selbstlaut zu einem kurzen wird, so schreiben Sie anstelle von ß ein ss.

 

Beispiele

Schuss, aber: schießen, du schießt, er schießt

Guss, aber: gießen, du gießt, er gießt

 

Beachten Sie: Folgt auf das s, ss, ß, x oder z eines Verb- oder Adjektivstamms die Endung -st der 2. Person Singular oder die Endung -st(e) des Superlativs, so lässt man das s der Endung weg.

 

Beispiele: du reist (zu reisen), du hasst (zu hassen), du reißt (zu reißen), du mixt (zu mixen), du sitzt (zu sitzen); (groß – größer –) größte

 

Ç

 

 

Nachsilbe -nis / -nisse; Vorsilbe miss-

 

Die Nachsilbe -nis schreibt man mit s. Wörter mit der Nachsilbe -nis schreibt man im Plural mit -nisse.

 

Beispiele

}         das Zeugnis – die Zeugnisse

}         das Erlebnis – die Erlebnisse

 

Die Vorsilbe -miss schreiben Sie immer mit Doppelkonsonanten.

 

Beispiele: Missverständnis, Misstrauen, missachten

 

Ç

 

 

das – dass

 

das“ kann sein ...

 

}         ein bestimmter Artikel, der zu einem Nomen gehört.

Das Kleid steht ihr gut. Das blaue Kleid steht ihr gut.

}         ein Demonstrativpronomen (hinweisendes Fürwort). Sie können es durch „dieses“ ersetzen.

Das ist sein Haus. Das da (Dieses) ist sein Haus.

}         ein Relativpronomen (bezügliches Fürwort). Es leitet einen Relativsatz ein und kann durch „welches“ ersetzt werden.

Das Abendgymnasium, das (welches) sie besuchen möchte, muss günstig gelegen sein.

 

„dass“ ist immer ... 

}         eine Konjunktion (Bindewort), die einen Nebensatz einleitet. „dass“ kann nicht durch „dieses“ oder „welches“ ersetzt werden.

Ich hoffe, dass Sie die dass/das-Schreibung jetzt ein bisschen besser verstehen.

 

Ç

 

 

Zusammenfassung

 

}         ß (scharfes s) steht nach lang gesprochenen Selbstlauten, Umlauten oder Zwielauten.

}         Es wird stimmlos (scharf) ausgesprochen.

}         ß kann nie am Wortanfang stehen.

}         ß kann am Wortende stehen.

 

}         stimmhaftes s steht nach lang gesprochenen Selbstlauten oder nach Zwielauten.

}         s wird fast immer stimmhaft ausgesprochen.

}         s wird am Wortende stimmlos ausgesprochen. Erst in der Verlängerung wird es stimmhaft.

}         s steht in der Nachsilbe -nis.

}         s steht am Wortanfang

 

}         ss (stimmloses s) steht nur nach kurz gesprochenen Selbstlauten.

}         ss kann am Wortende stehen.

}         ss kann nie am Wortanfang stehen

}         ss steht in der Nachsilbe -nisse (Mehrzahl von -nis)

}         ss steht in der Vorsilbe miss-

 

Ç

 

 

Wenn Sie sich nicht sicher sind ...

 

In diesem Fall können Sie auch Ihr Rechtschreibprogramm zu Hilfe nehmen. Ob ein Wort mit s, ß oder ss geschrieben wird, kann Ihnen das Rechtschreibprogramm mit Sicherheit sagen. Schwierig wird die Sache bei Namen. Hier gelten die s-Regeln nicht. Der deutsche Musiker Richard Strauss wird beispielsweise mit ss geschrieben, obwohl er nach den s-Regeln mit ß zu schreiben wäre.

 

Im Zweifelsfall ist die sicherste Methode immer in einem Wörterbuch nachzuschauen.

 

Ç

 

© 2003, bearbeitet von Stephan Waba

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