Volkshochschule Floridsdorf   Volkshochschule Floridsdorf

ODL Deutsch

 

Modul Textproduktion

 

 

 

 

Inhalt

 

Übungen

      Thema 1: „Nacktlaufen ist ein Bürgerrecht“

      Thema 2: „Nicht von einem Teller!“

 

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Übungen

 

Aufgabenstellung

 

a        Verfassen Sie eine textgebundene Erörterung zu einem dieser Themen:

 

Thema 1: „Nacktlaufen ist ein Bürgerrecht“

 

Mit Damensocken kennt er sich neuerdings aus, denn er zieht sich eine über den Penis. „Ohne Socke kostet mich das 4.000 Mark Zwangsgeld pro Lauf“, sagt Peter Niehenke. Der Freiburger Psychologe ist Deutschlands berühmtester Nacktjogger, den Damenstrumpf muss er sich überziehen, weil ein Oberlandesgericht ein Minimalgewand über seinem Gemächt verlangte. Sexualtherapeut Niehenke nennt dieses Urteil absurd: „Ohne diese Socke soll ich unerträglich sein, mit Socke ist das Nacktlaufen kein Problem.“

Seit drei Jahren spurtet der Splitterfasernackte in Freiburg durch Wälder, über Hügel und auch schon mal durch die Fußgängerzone, aber nur, wenn ein TV-Sender das Bußgeld übernimmt. Polizei und Gesundheitsamt diskutieren über die Nacktrennerei genauso wie die Passanten, die den Nudisten treffen. Juristen erörtern seinen Fall im Internet unter Rubriken wie „Heiteres aus dem rechtlichen Alltag“.

 

Erst vor kurzem sauste Niehenke nur mit einem knappen Stringtanga bekleidet in ein Kaufhaus und stöberte ein wenig in der Hosenabteilung. „Wenn ich groß bin, mache ich das auch“, kommentierte ein Zehnjähriger die nackte Erscheinung. Manche Menschen applaudieren oder wollen Autogramme, wenn der drahtige, nahtlos braun gebrannte Brillenträger vorbeihopst. Manche Frauen schreiben ihm Briefe mit den Worten: „Ein Mann, wie Gott ihn schuf, ist mir zehnmal lieber als einer in Uniform.“ Peter Niehenke hat aber auch Feinde: „Du bist doch nicht ganz dicht und gehörst weggesperrt“, musste er sich anhören. Einmal konnte er einen aggressiven Nudistenhasser nur dadurch verscheuchen, indem er ihm eine Ladung Hundespray androhte.

Früher joggte ein Bodyguard mit ihm, heute macht Niehenke ein Tonband-Protkoll von jedem seiner Läufe: Darauf befinden sich Gespräche mit Passanten genauso wie das Rauschen, wenn er pinkelt. Sieht er ein Auto im Wald parken, spricht er Uhrzeit und Kennzeichen aufs Band: Für den Fall, dass ihm jemand „etwas anhängen“ will.

 

„Ich bin eigentlich ne Lusche, was den Sport angeht“, sagt der 52-Jährige. Doch FKK-Flitzer Niehenke findet beim Sport alles, was zwickt unangenehm, „Jogginghosen sind das Übelste.“ Sogar im Winter bei zwei Grad minus läuft er nur mit Turnschuhen und Socken bekleidet durch die Gegend, „das ist ideal für das Immunsystem“. Vom Warm-Einpack-Wahn seiner Mutter habe er sich endgültig gelöst: „Sie selbst hatte Tuberkulose und wollte immer, dass ich warme Füße habe.“

Im Kampf gegen gesellschaftliche Bekleidungskonvention und lustfeindliche Kultur nennt er Beamte gerne erbost „Heinis“. Er werde „die verklemmten Behördenvertreter zum Wahnsinn treiben“, schwört Niehenke. Das war einst anders. Zu Beginn seiner textilfreien Eskapaden hatte er noch ein gutes Verhältnis zur Polizei. Niehenke richtete einen Nacktwarndienst ein: Immer bevor er losraste, meldete er der Polizei seine Route. Auch die Bewohner des noblen Freiburger Viertels, wo er gerne seine Runden dreht, hat er mit einem Flugblatt informiert.

Doch inzwischen findet Niehenke, dass einige Beamte einen privaten Krieg gegen ihn führen. Dem will er entgegnen: Drei Polizisten, die ihn mitnehmen wollten, hat er wegen Freiheitsberaubung angezeigt: „Nacktlaufen ist ein Bürgerrecht.“ Der Freiburger Adam spielt gern den Schelm und narrt die Polizei: Dann hält er seine Hand vor sein Geschlecht, so dass die Beamten nicht sehen können, ob die entscheidende Stelle nun bedeckt ist oder nicht. „Ich bin von der Rolle des Gejagten in die des Jägers geschlüpft“, sagt Niehenke. Zum Argument vieler Kritiker, durch seine Nacktheit könne er andere erschrecken, sagt er nur: In den Parks oder an den Badeseen dürften die Nackten liegen, ihm aber werde der Kampf angesagt. Das sei doch Heuchelei. Wenn sein harmloser Naturzustand Leute erschrecke, was sei dann mit den Kampfhunden?

 

Seine Suche nach dem Paradies ist für ihn nun zur Mission geworden. Niehenke will jetzt bundesweit Nacktlauf-Städte testen. Berlin ist Mitte August dran: „Mal sehen, ob die Berliner wirklich weltoffen sind.“ Wo er in Berlin joggen wird, das will er nicht verraten. Sein Auftrag ist ein anderer: „Das wichtigste Ergebnis ist, dass Nacktlaufen öffentlich diskutabel geworden ist.“

Neuerdings joggt Niehenke sogar mit seiner Freundin Klaudia, die eine Dissertation über das Thema Scham schreibt. Im Internet hat er ein Forum eingerichtet, für FKK-Jogger, die ebenfalls Ärger mit den Behörden haben. „Sollten mich diese verdammten Affen von Amt nicht in Ruhe lassen“, sagt er „werde ich noch mit 70 nackt am Krückstock durch diese Stadt laufen.“

(Berliner Zeitung, 31. August 2001, leicht gekürzt)

 

a        Fassen Sie den Inhalt des Textes in Form einer Inhaltsangabe zusammen.

        Arbeiten Sie heraus, was der Nacktläufer erreichen will und nehmen Sie Stellung.

a        Häufig macht man Flitzern den Vorwurf, sie seien eigentlich nur Exhibitionisten.

        Wie beurteilen Sie das „Flitzen“?

a        Erörtern Sie in diesem Zusammenhang die Problematik von Scham und Nacktheit in unserer Gesellschaft und ordnen Sie das Problem des „Flitzens“ darin ein.

 

Thema 2: „Nicht von einem Teller!“

 

In den kahlen Hinterhöfen der Wohnblocks aus den fünfziger Jahren sieht man ältere Frauen beim Federballspiel. Die Parks im Stadtzentrum von Peking sind voller Menschen auf der Suche nach frischer Luft und auf der Flucht aus ihren engen Wohnungen. Die Regierung hat die Devise ausgegeben, dass körperliche Ertüchtigung vor Sars schützt. Jetzt haben die Städter die Wohltaten der Leibesübungen entdeckt. Sars ändert die Lebensgewohnheiten der Pekinger, die nie für ihre Sportlichkeit bekannt waren.

Das Motto „An die frische Luft“ war den meisten fremd, auch wegen des Dauersmogs in Peking. Doch jetzt heißt das Motto in Peking: „Lad’ mich nicht zum Essen ein, sondern zum Laufen!“ Und Menschen, die vor Jahren ihr Fahrrad in die Ecke gestellt haben und nur noch Auto fahren, treten wieder in die Pedale. Vor drei Wochen sind die Bürger aus Angst vor Sars in ihre Wohnungen geflohen. Seit drei Wochen herrscht Ausnahmezustand in Peking. Kinos und Bars sind geschlossen, die meisten gehen nicht zur Arbeit, niemand kommt zu Besuch, niemand lädt ein. Man sitzt zu Hause, surft im Internet, schaut Fernsehen und liest. Es wird viel telefoniert, viele SMS-Nachrichten werden versandt.

 

Wer Kinder hat, sitzt mit ihnen vor dem Schulfernsehen, das seit drei Wochen den Unterricht ersetzen soll, weil die Schulen geschlossen sind, und hilft bei den Hausaufgaben. Für die meisten derer, die kein eigenes Auto haben, sind die Ausflugsmöglichkeiten beschränkt. Niemand möchte derzeit in einem Bus oder in einem Taxi sitzen. Da bleiben nur der Besuch im Park oder die Liegestützen daheim. Seit einigen Tagen sind die Ansteckungszahlen in Peking von durchschnittlich hundert in der vergangenen Woche auf etwa fünfzig zurückgegangen. Doch noch will niemand an eine Entwarnung glauben. Alle hoffen, bald wieder zum normalen Leben zurückkehren zu können, doch die meisten wollen lieber noch etwas abwarten.

Noch immer sind die Straßen leer, die öffentlichen Verkehrsmittel kaum besetzt. Allerdings tragen weniger Menschen einen Mundschutz. Die anfängliche Panik hat einer gewissen Ruhe Platz gemacht, in der aber die Anspannung immer noch zu spüren ist. „Ich weiß nun, wo es gefährlich ist“, sagt ein Angestellter eines Reisebüros, „jetzt kann ich mich schützen.“ Den Rückzug in die Wohnungen bekommen vor allem die Restaurants zu spüren. Die Pekinger gehen zu normalen Zeiten gerne und oft auswärts essen. Unzählige kleine Restaurants bieten preiswertes und schnelles Essen. Jetzt ist fast die Hälfte der Pekinger Restaurants geschlossen. Die noch geöffnet haben locken im Fenster mit dem wenig vertrauenserweckenden Schild „desinfiziert“. Er habe nur noch ein Drittel des normalen Umsatzes, berichtet der Inhaber eines Hunan-Restaurants, die Hälfte des Personals habe er schon entlassen. Wer zur Arbeit geht, bringt sich Essen von zu Hause mit, wer zu Hause bleibt, kocht selbst. Kochbücher finden reißenden Absatz.

 

Die Gefahr der Lungenkrankheit hat bei den Pekingern ein neues Bewusstsein für Gesundheit und Sauberkeit geweckt. Manche alte Gewohnheiten sind unter Beschuss geraten. So geht die Stadtverwaltung endlich gegen die alte Unsitte vor, dass Leute auf den Boden spucken. Schon vor Sars hatte die Pekinger Stadtregierung das Spucken unter Strafe gestellt. Jetzt werden die „Spucker“ rigoros verfolgt und können mit einem Bußgeld von bis zu 200 Yuan (25 Euro) bestraft werden. Das Fernsehen widmet ganze Informationssendungen dem Spucken und seinen Gefahren für die öffentliche Gesundheit, und es scheint, als ob diese Warnungen endlich ernst genommen und befolgt werden.

Auch die Eßgewohnheiten sollen sich ändern. Wenn man in China gemeinsam isst, nimmt jeder mit seinen Stäbchen von einem großen Teller. Damit soll Gemeinsamkeit und Teilhabe ausgedrückt werden. Seit aber die Angst vor Ansteckung die chinesische Hauptstadt beherrscht, ist diese gute alte Sitte verpönt. Für die wenigen, die sich überhaupt noch in die Restaurants wagen, soll es getrennt servierte Portionen geben. In vielen Orten, besonders aber in Südchina, gilt es als Gipfel des kulinarischen Genusses und als höchste Großzügigkeit des Gastgebers, wilde Tiere zu servieren. Von der Schlange über die Eule bis zur Schildkröte – was wild und selten ist, gilt als gut. Auch diese Sitte wird jetzt, besonders im Norden Chinas, heftig attackiert, seitdem vermutet wird, dass das Sars-Virus von Tieren auf den Menschen übergegangen ist. Chinesische Zeitungen fordern, dass der Verzehr von wilden Tieren verboten wird.

Auch die Abfallbeseitigung ist als Problem erkannt worden. Seit Sars beklagt jeder die weit verbreitete Unsitte, Müll achtlos auf die Straße zu werfen. Die alten Hochhäuser der Stadt sind noch mit Müllschluckern ausgestattet, die ideale Brutstätten für Keime aller Art sind. Die Stadtverwaltung hat jetzt angeordnet, dass diese Müllschlucker sofort zugemauert werden müssen. Das hatte eine Welle von Anrufen bei der Stadtverwaltung zur Folge, mit denen sich Bürger über die mangelhafte Abfallbeseitigung auch andernorts beklagten. Auch Fliegen und Stechmücken ist der Krieg erklärt worden. Ende Mai und Ende Juni sollen zwei Tage „Fliegen- und Stechmücken-Eliminierung“ stattfinden. Im Gespräch ist noch, ob man sie erschlagen oder mit Gift auf sie losgehen soll.

Auch die persönliche Hygiene hat sich geändert. So ist der Wasserverbrauch in der Stadt dramatisch gestiegen, obwohl die großen Hotels, die sonst zu den Hauptverbrauchern gehören, leer sind. In jedem Haushalt wäscht man sich mehrmals am Tag ausführlich die Hände. Desinfektionsmittel kommen in Wohnungen reichlich und wahrscheinlich zu viel zum Einsatz. Schon warnt das Umweltamt vor einer Belastung des Grundwassers. Leidtragende des neuen Sauberkeits- und Hygienebewusstseins sind vorläufig die Haustiere. Seit ein Verbot der Tierhaltung vor einigen Jahren aufgehoben wurde, habe sich viele Städter kleine Hunde oder Katzen zugelegt. Doch nun sind auch die Tiere unter Sars-Verdacht geraten. Hunde dürfen nicht mehr aus dem Haus geführt werden. Wer trotzdem mit seinem Hund draußen erwischt wird, dem darf die Polizei das Tier wegnehmen. Beschwerden der Hundehalter haben nichts genützt. Viele Hunde sind schon ausgesetzt worden. Eine Tierärztin berichtet, dass sich nun viele ratlose Tierhalter nach den Möglichkeiten erkundigen, ihre Hunde einzuschläfern.

(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Mai 2003, leicht gekürzt und an die neue Rechtschreibung angepasst)

 

a        Fassen Sie den Inhalt des Textes in Form einer Inhaltsangabe zusammen.

        Arbeiten Sie heraus, was sich auf Grund der Seuche Sars im Leben vieler BewohnerInnen aus Peking geändert hat und welche   „Nebenwirkungen“ dabei entstehen.

a        Seuchen bedrohen das globale Dorf.

        Man hört immer wieder das Bild von der Welt als Dorf. Der internationale Reise- und Wirtschaftsverkehr wächst rapide. Das bedeutet         aber auch: Ansteckende Krankheiten können sich in immer kürzerer Zeit weltweit ausbreiten. Erörtern Sie in diesem      Zusammenhang die Problematik von weltumspannenden Seuchen und zeigen Sie Lösungsansätze auf.

 

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