MIME-Version: 1.0 Content-Type: multipart/related; boundary="----=_NextPart_01C6B40B.6F5F8A10" Bei diesem Dokument handelt es sich um eine Webseite in einer Datei, die auch als Webarchivdatei bezeichnet wird. Wenn Sie diese Nachricht erhalten, unterstützt Ihr Browser oder Editor keine Webarchivdateien. Downloaden Sie einen Browser, der Webarchivdateien unterstützt, wie zum Beispiel Microsoft Internet Explorer. ------=_NextPart_01C6B40B.6F5F8A10 Content-Location: file:///C:/0CE2A2B4/DerblondeEckbert.htm Content-Transfer-Encoding: quoted-printable Content-Type: text/html; charset="us-ascii"
Der blonde Eckbert
(von <=
span
style=3D'color:black'>Ludwig Tieck)
Die unheimlic=
hen
Momente eines romantischen Märchens
Inhaltsverzeichnis
1. Inhalt=
3. „Böse
Hexe“ oder „Gute Fee“?.
9. &nbs=
p; Literaturverzeichnis
Der blonde Ritter Eckbert lebt mit seiner Frau =
Bertha
kinderlos und abgeschieden in einem Schloss. Einzig Walther, mit dem Eckbert
eine innige Freundschaft verbindet, ist öfter zu Gast. Eines Abends, a=
ls
die drei zusammensitzen, erzählt Bertha die bislang nur Eckbert bekann=
te
Geschichte ihres früheren Lebens.
Als Kind konnte Bertha es ihren Eltern nie recht
machen und wurde von ihrem Vater grausam behandelt und gezüchtigt. Vol=
ler
Angst beschloss sie zu fliehen und rannte weit weg von zu Hause. Nachdem sie
einige Tage fort gewesen war, begegnete sie einer alten buckeligen Frau, bei
der sie schließlich einzog. Bertha lernte bei der Alten spinnen, weben
und lesen und kümmerte sich um deren Hund und Vogel. Die Hausherrin bl=
ieb
oft den ganzen Tag weg, doch die beiden freundeten sich rasch an und so nan=
nte
die Alte Bertha ihre Tochter. Nachdem vier Jahr vergangen waren, vertraute =
die
buckelige Hauswirtin dem nun etwa zwölfjährigen Mädchen das
Geheimnis des Vogels an, der mit wunderschöner Stimme und menschlichen
Worten singen konnte: der Vogel legte täglich ein Ei, in dem sich eine
Perle oder ein Edelstein befand.
Das Mütterchen blieb nun immer länger=
weg.
Oft vergingen Wochen und Monate, ohne dass Bertha wusste, wo ihre Hausherrin
steckte. Wenn die Ziehmutter heim kam, lobte sie Bertha immer und eines Tag=
es
sagte sie zu dem Kind: „Wenn =
du so
fortfährst, wird es dir auch immer gut gehen: aber nie gedeiht es, wenn
man von der rechten Bahn abweicht, die Strafe folgt nach, wenn auch noch so
spät.“[1]
Bertha konnte die Bedeutung dieser Worte nicht nachvollziehen, sondern
träumte lieber von der Welt der Ritter, über die sie so viel in
Büchern gelesen hatte. Als die Alte eines Tages ankündigte, dass =
sie
diesmal länger als sonst weg müsse, entschloss sich Bertha, auch =
fort
zu gehen und die Welt kennen zu lernen.
Bertha ließ den Hund zurück, nahm si=
ch
einige Edelsteine und den Vogel und verließ das Haus. Sie kam
schließlich in das Dorf, in dem sie geboren worden war. Stolz wollte =
sie
den Eltern ihren Reichtum zeigen, jedoch erfuhr sie, dass diese bereits
gestorben waren. Traurig mietete Bertha in einer anderen Stadt ein kleines
Haus. Dort fing der seit der Flucht stumme Vogel plötzlich wieder an zu
singen, doch nun nicht mehr fröhlich, sondern wehmütig vor
Einsamkeit. Aufgewühlt legte Bertha ihre Finger um den Hals des Vogels,
bis dieser verstummte. Nun kam auch die Furcht vor der Alten über sie.=
Zu
dieser Zeit kannte Bertha aber bereits den Ritter Eckbert, der ihr sehr gef=
iel
und den sie schließlich auch heiratete. Damit endet die Geschichte von
Bertha.
In dieser Nacht bleibt Eckbert wach und bereut,=
dass
er Bertha dazu angestiftet hat, Walther von ihrer Vergangenheit zu
erzählen. Er hat Angst, dass der Freund etwas ausplaudern könnte =
und
es kommt ihm vor, als hätte sich Walther nicht so herzlich wie sonst
verabschiedet. Nach diesem Abend wird Bertha krank und Walther kommt immer
seltener zu Besuch.
Eines Morgens erzählt Bertha ihrem Mann, d=
ass
Walther an jenem verhängnisvollen Abend den Namen des Hundes,
„Strohmian“, erwähnt hat, obwohl dieser ihr selbst entfall=
en
war. Eckbert tröstet seine Frau und geht dann auf die Jagd. Plötz=
lich
sieht er Walther in der Ferne und erschießt ihn, ohne genau zu wissen,
was er tut. Schließlich kehrt er zu seiner Burg zurück und findet
seine Frau verstorben vor.
Nachdem Eckbert einige Zeit einsam und voll von
Schuldgefühlen in seiner Burg verweilt hat, zieht er in die Ferne. Er
begegnet dem jungen Ritter Hugo und verspürt den Drang, sich Hugo
mitzuteilen, um zu erkennen, ob er ein wahrer Freund ist. Doch Hugo reagiert
seltsam auf Eckberts Erzählung. Zudem glaubt Eckbert in unterschiedlic=
hen
Männern Walther zu erkennen und gibt erregt seinem Pferd die Sporen.
Eckbert hetzt sein Ross voran, bis es nicht mehr kann.
Er setzt seine Reise zu Fuß fort, bis er =
ein
munteres Bellen und ein Lied in wunderlichen Tönen hört. Es ist d=
as
Lied des Vogels, das bereits Bertha vor Jahren gehört hat. Die Welt um
Eckbert wirkt verzaubert, er kann nicht mehr klar denken und ist keiner
Erinnerung mehr mächtig. Da kommt die Alte auf ihn zu und fragt ihn, o=
b er
ihr ihren Vogel, ihre Perlen und ihren Hund wieder bringe und sagt zu ihm: =
„Siehe, das Unrecht bestraft sich
selbst: Niemand als ich war dein Freund Walther, dein Hugo.“[2]=
span>
Außerdem verrät sie Eckbert, dass Bertha seine Schwester gewesen
ist.
Eckbert bemerkt, dass er diesen Gedanken immer =
gehabt
hat. Bertha wurde als Kleinkind ausgesetzt und so blieb ihre wahre Herkunft=
bis
zum Schluss verschleiert. Wahnsinnig liegt Eckbert am Boden und stirbt,
während der Hund bellt und der Vogel sein Lied singt.
Das Märchen beginnt mit dem Satz: „In der Gegend des Harzes wohnte=
ein
Ritter[…]“[3]=
span>
Diesem Satz schenkte ich nicht weiter Beachtung=
. Doch
bei den Zeitgenossen und Romatikspezialisten tritt schon hier der erste
Schauereffekt auf. Denn in der romantischen Schauerliteratur galt der Harz =
als
eine Stätte des Grauens. Hier konnte man sich sehr leicht verirren und
gefährliche Dinge erleben. Außerdem verbanden Tiecks Zeitgenossen
auch das Zurückgezogene, die Einsamkeit, in der Eckbert mit seiner Frau
lebt, mit einem Zustand der Schutzlosigkeit und dem Ausgesetztsein
möglicher Gefahren.[4] In
mir kam zunächst jedoch =
noch
das Bild einer romantischen Idylle auf; ein Schloss, auf dem ein
glückliches Pärchen, trotz einiger Ehejahre noch verliebt, verwei=
lt.
Unheimlich begann es für mich zu werden, a=
ls ich
von Berthas Kindheitsgeschichte zu lesen begann. An der Stelle, an der Bert=
ha
von der alten Frau berichtet, der sie begegnete, überkam mich ein mulm=
iges
Gefühl, assoziierte ich mit der Alten doch die „böse
Hexe“ aus den Kindermärchen. Dies passierte nicht nur wegen ihres
Erscheinungsbildes einer buckeligen alten Frau. Sie lebte auch noch einsam =
in
einer Holzhütte mit ihren beiden Haustieren. Bertha konnte sich auch n=
icht
erinnern in all der Zeit, die sie bei der Einsiedlerin verbrachte, je ein
anderes Wesen außer den Hausbewohnern gesehen zu haben. Diese Punkte
passten hervorragend zu der „bösen Hexe“. Außerdem
besitzt die Buckelige einen Vogel. In den Kindermärchen sieht man Hexen
sehr oft mit Raben abgebildet.
Der Vogel des komischen Wesens in Tiecks Mä=
;rchen
legt jedoch Eier mit Perlen und Edelsteinen und diese würden wieder be=
sser
zu einer schönen, guten Fee passen. Auch das Benehmen des Weibes passt=
e in
diesem Moment eher zu dem einer „guten Fee“, die in den
Kindermärchen immer als schön beschrieben wird. Hexen verstellen =
sich
zwar oft, aber doch nicht über Jahre hinweg, sondern nur bis sich ihr
Opfer in Sicherheit wiegt.
Nun, dies verwirrte mich. Es war also eine
gebückte, hässliche Alte, die einen Hund und einen Vogel besitzt =
und in
einer Holzhütte einsam lebt, die Bertha jedoch wie eine Tochter behand=
elt.
Dies passte nicht in mein Schema von einer „bösen Hexe“, a=
ber
auch nicht in das von einer „guten Fee“. Und genau diese Tatsac=
he
löste das unheimliche Gefühl in mir aus. Ich hatte keine Ahnung, =
in
welche Richtung sich das Märchen wenden würde. Es drängte si=
ch
mir die Frage auf, ob die „böse Hexe“ oder die „gute
Fee“ nun weiter Teil der Handlung sein würde. Die Tatsache, dass
Bertha erzählt, dass sie in all der Zeit, in der sie bei dem
Mütterchen wohnte, nie ein anderes Wesen außer der Alten und den
zwei Haustieren sah, war mir auch nicht geheuer.
Die Eindeutigkeit der Person war hier für =
mich
aufgehoben.
Als ich nun zu der Szene kam, in der Bertha ihre
Wirtin so heimlich verlässt, wurde mir mit Grauen der schon in der
Inhaltsangabe zitierte Satz des buckligen Wesens in Erinnerung gerufen. „Wenn du so fortfährst, wir=
d es
dir auch immer gut gehen: aber nie gedeiht es, wenn man von der rechten Bahn
abweicht, die Strafe folgt nach, wenn auch noch so spät.“[5]=
span>
Das Verlassen der Alten, das Verlassen des
märchenhaften Paradieses, gleicht nun einem Sündenfall.[6]
Bertha lässt den Hund verhungern und bestiehlt seine Halterin. Diesem
Sündfall folgen weitere. Es bleibt jedoch offen, ob Bertha von ihrer
Ziehmutter belohnt worden wäre, wenn sie bis ans Ende ihrer Probezeit =
bei
der Alten in der Einsamkeit geblieben wäre.[7] D=
och
nun war mir klar, dass die Strafe folgen musste.
Die Strafen kamen auch, doch obwohl diese im La=
ufe
der Jahre durch die Alte inszeniert wurden, konnte ich mich nicht entscheid=
en,
ob sie nun wirklich böse war oder ob sie bloß nach Gerechtigkeit
strebte. Denn schließlich ließ Bertha die beiden Wesen, die die
einzigen Gefährten der Alten waren, sterben.
Dadurch, dass die Alte später die Gestalt =
von
Hugo, Walther und den Bauern annimmt, wird die Geschlechterrolle
überwunden. Die Alte hat also sowohl weibliche als auch männliche
Züge. Durch ihre Verwandlungskünste wird sie der Märchenhexe
übergeordnet und erinnert an einen Magier.[8]
Außerdem kann ihr Gesicht nicht eindeutig erkennbar sein, was sich aus
folgendem Satz herauslesen lässt: „Indem ich sie so betrachtete, überlief mich ein kalter Schauer,
denn ihr Gesicht war in einer ewigen Bewegung, indem sie dazu wie vor Alter=
mit
dem Kopfe schüttelte, sodass ich durchaus nicht wissen konnte, wie ihr
eigentliches Aussehen beschaffen war.“[9]=
span>
Nachdem Bertha die Geschichte beendet hat und a=
lle zu
Bett gehen wollen, findet Eckbert keine Ruhe. Es quält ihn die Sorge, =
dass
Walther sich gegen ihn stellen könnte. Er ist sich nun nicht mehr sich=
er,
ob Walther wirklich der gute Freund ist. Anette Krecht schreibt über
diesen Zustand: „Bei all dies=
en
Unsicherheiten ist lediglich eines für ihn gewiß: Sofern eine Ge=
fahr
besteht, ist sie ihm nicht genügend bekannt; sei es nun, weil die
Umstände zu unüberschaubar sind, um ihren wahren
Gefährlichkeitsgrad zu ahnen, oder aber, weil er selbst ein unzureiche=
nder
oder fehlgeleitetes Wahrnehmungsvermögen hat. So oder so, Eckbert selb=
st weiß
die Ursache seiner Unsicherheit nicht genau zu bestimmen, und der Leser, auf
Eckberts Perspektive fixiert, kann es ebenso wenig. Dem Helden wie dem Leser
erscheint daher das Bevorstehende gefährlich und geheimnisvoll
zugleich.“[10] =
Das
hier beschriebene Gefühl kann ich aus eigener Erfahrung gut
nachvollziehen. Doch bei all den Vorstellungen, die ich hatte, das nun noch=
kommende
Unheil erahnte ich nicht. Das Scheitern des Ritters vermutete ich allerdings
schon. Es wurde mir klar, dass der Held durch die Zweifel, die Unsicherheit=
und
die Angst zum Scheitern verurteilt war. Denn so weit ich mich erinnern konn=
te,
hatte ich in den Heldenepen, mit dessen Rittern ich Eckbert zu Beginn vergl=
ich,
nie etwas von Angst der Helden gelesen.
Als ich dann auch die Sekundärliteratur la=
s,
bestätigte sich meine Annahme, dass Eckbert nun nicht mehr zum Helden
werden konnte, denn der in Antette Krechts zitierte Richard Alewyn definier=
te
das Unheimliche als „eine Ang=
st,
die durch die „Verbindung von Geheimnis und Gefahr“ hervorgeruf=
en
wird.“[11]
Geprägt von dieser Angst, die den Helden völlig unvermittelt trif=
ft,
kann er nicht bereit sein, Abenteuer wie berühmte Ritter, zum Beispiel
Parzival, zu bestehen. Denn so etwas würde sich Eckbert auch selbst ni=
cht
zutrauen und Selbstzweifel sind für einen Ritter nicht sehr ratsam.
Der Held in Tiecks Roman will sich nicht stelle=
n,
sondern er will fliehen.[12] =
Er
stellt Walther nicht zur Rede, sondern er erschießt ihn, er schafft s=
ich
die Angst so vermeintlich aus der Welt. Eckbert will sich mit dem Gegner ni=
cht
messen.
Wenn ein Held wie Eckbert dann doch ein
kämpferisches Verhalten an den Tag legt, dann geschieht das unter Druck
und aus der Angst heraus. Eckbert hat Angst und ist unsicher. Er hält =
die
Situation des Unwissens nicht mehr aus und denkt, dass es auf keinen Fall
schlimmer kommen kann, als es im Moment ist, egal was passiert.[13] =
So kommt es später zu dem nicht geplanten =
Mord,
statt zu einer Aussprache mit Walther.
Nicht Walthers Verhalten ist schuld an dem Ausg=
ang,
sondern Eckberts Unsicherheit und Angst. Als Leser kennt man die wahre
Begebenheit nicht, man sieht alles nur durch Eckberts Augen. So stellte sich
nun während des Lesens die Frage, ob sich Walther wirklich
eigentümlich verhielt oder sich Eckbert dies nur einbildete.
Die Begründungen Eckberts erscheinen jeden=
falls
sehr einleuchtend. Der Abschied des Freundes war nicht so herzlich wie
normalerweise.
Als Außenstehender überliest man auc=
h die
Zeile nicht, in der Walther den Namen des Hundes erwähnt, der Bertha
entfallen war. „Edle Frau, ich
danke Euch, ich kann mir Euch recht vorstellen, mit dem seltsamen Vogel, und
wie Ihr den kleinen Strohiman
füttert.“[14]<=
/span>
Denn dass Walther den Namen des Hundes erwähnt, bemerkt Eckbert hier n=
och
nicht. Dies weiß allerdings der Leser.
Die Erwähnung des Namens ist an dieser Ste=
lle
der Grund für die unheimliche Atmosphäre und nicht das Verhalten =
des
Freundes. Die Angst des Helden erscheint plausibel, auch wenn nicht Strohim=
an
der Auslöser dafür war.
Als Bertha Eckbert nun aber darauf aufmerksam m=
acht,
dass Walther den Namen des Hundes wusste, werden die Zweifel des Helden
bestätigt und er geht zur Jagd. Hier erlegt er aber kein Wild, sondern=
den
Freund.
Nach dem Tod von Walther und Bertha lassen Eckb=
ert
die Zweifel keine Ruhe mehr. In jedem, der sich näher mit ihm abgibt,
sieht er nun Walther. Erneut stellt sich die Frage, ob es Eckberts Einbildu=
ng
oder ob es doch ein Zauber ist. Als Eckbert Walther in Hugo sieht, kommt di=
es
unerwartet; als er ihn jedoch in den Bauern sieht, ist er schon darauf vorb=
ereitet
und fürchtet, dass es wieder passiert. Doch eine frühe Erleichter=
ung
ist fehl am Platz. Diesmal würde er Walthers Gesicht nicht wieder sehe=
n.
Das nun Unerwartete tritt prompt ein. Die Angst, die aus Eckbert spricht, z=
eigt
ihm das Gesicht des Freundes.
Den Höhepunkt erreicht das Unheimliche, als Eckbert in das Gebirge kommt. Er hört einen Vogel singen und einen Hund bellen und er begegnet der Alten. Diese macht ihn für Berthas Kindheitsschuld verantwortlich und fordert Wiedergutmachung.[15]<= o:p>
Es drängt sich das Bild des Sterbenden auf.
Mitleid und Schauer überfallen den Leser und die Worte der Alten kling=
en
plötzlich wieder nach: jedes Unheil, das man anrichtet, kommt här=
ter
auf einen zurück.
Sowohl Bertha als auch Eckbert haben genug
angerichtet. Sie hat einen Hund und einen Vogel umgebracht und eine alte Fr=
au
hintergangen. Er hat einen Freund umgebracht und beide begangen Inzest, denn
wie man am Schluss erfährt, waren die beiden Halbgeschwister.
Das Motiv des Inzests war ein beliebtes Thema i=
n der
Romantik. Bei Tieck ist die Auflösung fast wie eine Schlusspointe und
Eckbert ist nicht, wie man annehmen würde, erstaunt oder erzürnt,=
[16]
nein, er fragt: „Warum hab ich
diesen schrecklichen Gedanken immer geahndet?“[17] =
Es
kommt einem vor, als hätte Eckbert dies im Unterbewusstsein schon immer
gewusst und dass er sich des Unrechts, das er durch die Eheschließung=
mit
seiner Frau eingegangen war, immer bewusst war. Doch diese Erkenntnis trifft
auch den Leser überraschend, da in keiner Stelle des Buches über =
die
frühe Kindheit der beiden erzählt wird und kein Zusammenhang zwis=
chen
den beiden hergestellt wird. Man dachte bisher, dass sich die beiden in ihr=
er
Jugend begegneten und sich lieben lernten.[18] =
Die
Alte klärt Eckbert dann auch auf, warum er dies schon geahnt hat. Er h=
atte
nämlich als Kind ein Gespräch zwischen seiner Mutter und seinem V=
ater
gehört, in dem die Mutter dem Vater verbat, die Tochter, die von einer
anderen Frau stammte, bei sich zu erziehen. Eckbert erkennt nun, dass er ein
Leben lang versucht hatte, sich selbst zu täuschen. Dies und die
Erkenntnis, dass er sein Leben in schrecklicher Einsamkeit geführt hat,
dass er keinen Freund hatte, dass alle Freunde, die er hatte, nur Trugbilder
der Alten waren und seine Frau seine eigene Schwester war, treibt ihn in den
Wahnsinn.[19]<=
/span>
Doch muss man sich hier nun auch die Frage stel=
len,
ob Eckberts Wahnsinn erst in diesem Augenblick beginnt, oder ob er schon
früher seinen Anfang nahm. Etwa als er Walther erschossen hat oder als=
er
Walther in Hugo wiedersieht.
Zu Beginn erfährt man Berthas
Kindheitsgeschichte. Diese wirkt zunächst harmlos, obwohl die belehren=
den
Worte der Alten schon Grund geben düstere Vorahnungen zu hegen. Doch d=
ass
die Geschichte Berthas Tod, Walthers Tod, Eckberts Vereinsamung, Wahnsinn u=
nd
Tod auslöst, erahnt man wohl nicht.
Als Eckbert nun am Ende seiner Tage der Alten begegnet, bei der Bertha ihre Kindheit und Jugend verbracht hat, und diese = ihm die Schuld an allem gibt, fragt man sich zunächst wahrscheinlich, wo d= ie Gerechtigkeit in diesen Anschuldigungen besteht. Bei genauerer Betrachtung = wird klar, dass Eckbert, obwohl er von Berthas Betrug wusste, ihre Reichtüm= er, die sie in die Ehe brachte, annahm. Beide führten zwar ein bescheidenes Leben, aber dennoch mit gestohlenem Gut.[20]<= o:p>
Für mich wurde das Buch ab dem Moment unheimlich, in dem die Alte Bertha belehrt und ihr sagt, was passiert, wenn= man Unrechtes tut. Denn auch im wahren Leben benutzt man diese Aussage sehr oft= und fürchtet sich vor dem, was eintritt. Gerade durch die Angst passiert d= ann allerdings auch oft etwas. Sei es, wenn man als Kind etwas anstellt und es = zu verheimlichen versucht, die Eltern aber durch das schuldvolle Gesicht die T= at aufdecken und die Strafe härter ausfällt, weil man das Unrecht au= ch noch verheimlicht hat, oder als Erwachsener, wenn man ein schlechtes Gewiss= en hat und vor lauter Gewissensbissen, die einen plagen, einen Fehler begeht.<= o:p>
Diese Geschichte spielt mit der unergründl=
ichen
Psyche des Menschen und das Unheimlichste an dem Ganzen ist, dass es auch in
der Realität vorkommt, dass Menschen wahnsinnig werden, wenn sie erken=
nen,
was sie angerichtet haben.
Berg, Stephan: Schlimme Zeiten, böse R&aum=
l;ume;
Zeit- und Raumstrukturen in der phantastischen Literatur des 20. Jahrhunder=
ts.
Metzler; Stuttgart 1991.
Gollesch, Karin: Nachtseiten. Die „Schwar=
ze
Romantik“ in der deutschsprachigen Prosaepik; unveröffentlichte
Diplomarbeit; Universität Wien 2004.
Göres, Jörn: Deutsche Schriftsteller =
im
Porträt; Band 3 Sturm und Drang, Klassik, Romantik. Beck; München
1980.
Krech, Annette: Schauererlebnis und Sinngewinnu=
ng;
Wirkungen des Unheimlichen in fünf Meisternovellen des 19. Jahrhundert=
s.
Peter Lang GmbH; Frankfurt am Main 1992.
Tieck, Ludwig: Der blonde Eckbert. Reclam; Stut=
tgart
2004.
[1]=
span> Tieck, Ludwig: Der blonde Eckbert. Reclam;
Stuttgart 2004. S. 13
[2]=
span> Tieck, Ludwig: Der blonde Eckbert. Reclam;
Stuttgart 2004. S. 24.
[3]=
span> Tieck, Ludwig: Der blonde Eckbert. Reclam;
Stuttgart 2004. S. 3.
[4]=
span> Vgl. Krech, Annette: Schauererlebnis und
Sinngewinnung; Wirkungen des Unheimlichen in fünf Meisternovellen des =
19.
Jahrhunderts. Peter Lang GmbH; Frankfurt am Main 1992. S. 9.
[5]=
span> Vgl. Tieck, Ludwig: Der blonde Eckbert. Rec=
lam;
Stuttgart 2004. S. 13.
[6]=
span> Vgl. Gollesch, Karin: Nachtseiten. Die
„Schwarze Romantik“ in der deutschsprachigen Prosaepik;
Unveröffentlichte Diplomarbeit; Universität Wien 2004. S. 105.
[7]=
span> Vgl. Gollesch, Karin: Nachtseiten. Die
„Schwarze Romantik“ in der deutschsprachigen Prosaepik;
Unveröffentlichte Diplomarbeit; Universität Wien 2004. S. 105.
[8]=
span> Vgl. Gollesch, Karin: Nachtseiten. Die
„Schwarze Romantik“ in der deutschsprachigen Prosaepik;
Unveröffentlichte Diplomarbeit; Universität Wien 2004. S. 119.
[9]=
span> Vgl. Tieck, Ludwig: Der blonde Eckbert. Rec=
lam;
Stuttgart 2004. S. 10.
[10]<=
/span> Krech, Annette: Schauererlebnis und
Sinngewinnung; Wirkungen des Unheimlichen in fünf Meisternovellen des =
19.
Jahrhunderts. Peter Lang GmbH; Frankfurt am Main 1992. S. 10.
[11]<=
/span> Krech, Annette: Schauererlebnis und
Sinngewinnung; Wirkungen des Unheimlichen in fünf Meisternovellen des =
19.
Jahrhunderts. Peter Lang GmbH; Frankfurt am Main 1992. S. 10.
[12]<=
/span> Vgl. Krech, Annette: Schauererlebnis und
Sinngewinnung; Wirkungen des Unheimlichen in fünf Meisternovellen des =
19.
Jahrhunderts. Peter Lang GmbH; Frankfurt am Main 1992. S. 11.
[13]<=
/span> Vgl. Krech, Annette: Schauererlebnis und
Sinngewinnung; Wirkungen des Unheimlichen in fünf Meisternovellen des =
19.
Jahrhunderts. Peter Lang GmbH; Frankfurt am Main 1992. S. 11.
[14]<=
/span> Tieck, Ludwig: Der blonde Eckbert. Reclam;
Stuttgart 2004. S. 18.
[15]<=
/span> Vgl. Krech, Annette: Schauererlebnis und
Sinngewinnung; Wirkungen des Unheimlichen in fünf Meisternovellen des =
19.
Jahrhunderts. Peter Lang GmbH; Frankfurt am Main 1992. S. 15.
[16]<=
/span> Vgl. Gollesch, Karin: Nachtseiten. Die
„Schwarze Romantik“ in der deutschsprachigen Prosaepik;
unveröffentlichte Diplomarbeit; Universität Wien 2004. S. 221f.
[17]<=
/span> Tieck, Ludwig: Der blonde Eckbert. Reclam;
Stuttgart 2004. S. 25.
[18]<=
/span> Vgl. Krech, Annette: Schauererlebnis und
Sinngewinnung; Wirkungen des Unheimlichen in fünf Meisternovellen des =
19.
Jahrhunderts. Peter Lang GmbH; Frankfurt am Main 1992. S. 24.
[19]<= /span> Vgl. Gollesch, Karin: Nachtseiten. Die „Schwarze Romantik“ in der deutschsprachigen Prosaepik; unveröffentlichte Diplomarbeit; Universität Wien 2004. S. 221ff.<= o:p>
[20]<=
/span> Vgl. Krech, Annette: Schauererlebnis und
Sinngewinnung; Wirkungen des Unheimlichen in fünf Meisternovellen des =
19.
Jahrhunderts. Peter Lang GmbH; Frankfurt am Main 1992. S. 25f.